„Ungdomshuset-unter-freien-Himmel-Festival“

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Dienstag, den 3.April war Kopenhagens Rådhusplads den ganzen Tag über dicht mit Ungdomshussympathisanten gespickt, die während der Veranstaltung den Platz rockten.

Von Martin Lindblom/Monsun

Strahlende Sonne und blauer Himmel gaben dem gross angekündigten eintägigen Kulturfestival ”Ungdomshuset unter freien Himmel” den letzten Schliff, da dieses für den Rest des Tages den Rathausplatz für sich einnahm. Die Veranstalter hinter dem ganzen Spektakel nennen sich ”Ånden fra 69”(Geist der 69).Dieser war auch bei den einigen tausend Menschen zu spüren, die ein überwältigendes Festival vor dem Rathaus Kopenhagens feierten.

„Dänen mit nem Stock im Arsch“

Das Programm war genauso dicht gepackt wie der Rådhusplads mit Menschen, was auch nicht zuletzt durch die ganzen Buden, Bühnen und Zelte, die eine Art Roskilde-Stimmung hervorriefen. Eine Reihe mehr oder weniger bekannter Künstler nahmen die Doppelbühne für sich ein und verstanden es durch Musik, Reden und Gedichte, bissige Kritik an der politischen Situation in Dänemark auszuüben, die momentan die Gesellschaft dort prägt. Bevor die Alt-Hippies Peter Ingemann und Stig Møller den Platz mit Klassikern wie »Sikken dejlig dag« (Was für ein schöner Tag) und »Herfra, hvor vi står« (Von hier, wo wir stehen) spielten, wurde die Regierung verbal mit herben Äusserungen beschossen und u.a. als „Krypto-faschisten, die momentan unser Land regieren“ tituliert.

Auch Magtens Korridorer (dänische kontroverse, aber dennoch Mainstream Rockband, die sich sehr fürs Ungdomshus einsetzt) teilten ordentlich an die um sich greifende Normalisierung aus- während eine Horde schwer begeisterter kindlicher Fans , die Bühne erklimmte – und Klezmofobia fragte, ob die Dänen anscheinend „einen Stock im Arsch“ hätten.

Friede, Freude, Eierkuchen

Diese Mischung aus herber Kritik an den Politikern, liebevoller Anekdoten und „Frei-nach-Schnauze“ Äusserungen prägten eigentlich das ganze Festival. Der Schauspieler Jesper Lohmann erzählte begeistert eine Anekdote von einem Punkkonzert im Ungdomshusetin den 80er Jahren und Morten Grundwald sagte, u.a.:

– Es sind viele, die ein Ungdomshus brauchen. Ebenso, wie wir ein Christiania brauchen, wo immer noch die Phantasie dominiert. Es reicht einfach nicht aus nur zu sagen, dass wir uns mit all dem nicht abfinden werden. Wir brauchen einen Dialog- oder wie Klaus Rifbjerg schreibt : »Lasst die jungen Leute verrückt sein, aber redet mit ihnen«.

Die Stimmung war die ganze Zeit von” Friede, Freude, Eierkuchen” geprägt- und nicht zuletzt an einem Überfluss an überraschenden Zusammentreffs alter AktivistInnen, sowie grossen Stolz darüber, dass eine so grosse Veranstaltung derartig unglimpflich ablief.

Einziger Wehrmutstropfen entstand gegen Ende, als die Bullen, die sich ansonsten brav zurückhielten, auf den Platz stürmten.

Schimpfen, Schreien und kleinere Tumulte endeten in 12 Festnahmen, aufgrund von Verstoss gegen die öffentliche Ordnung und auch ein einzelner Fall von Gewalt gegen die Staatsgewalt.

Desweiteren musste ein/e einzelne/r FestivalteilnehmerIn in die Notaufnahme, nachdem er/sie während der Zusammenstösse von einer Flasche am Kopf getroffen wurde.

Hier sind einige Fotos vom Fest:
http://modkraft.dk/spip.php?article262

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